FPÖ quo vadis?

18. Mai 2019 um 19:45 Uhr, Sebastian Kurz beendet in einer Pressekonferenz die Koalition mit den Freiheitlichen. Ein Urlaubsvideo des nun Ex Parteiobmannes und Vizekanzlers sorgte für die nötige Sprengkraft. Was waren die Hintergründe, wie wird es nun weitergehen und welche Ergebnisse kann die Neuwahl im September bringen? Das alles versuchen wir hier neutral zu erörtern, und wünschen uns eine Beteiligung in den Kommentaren, hier oder auf Facebook.

Alles begann im Sommer 2017 vor der letzten Nationalratswahl. Eine angebliche Oligarchennichte suchte für ein privates Geschäft Klubchef Gudenus auf. Über einige Monate baute sich ein freundschaftliches Verhältnis auf, welche die russische „Geschäftsfrau“ für ihr weiteres Vorgehen nutzte. Sie wollte den Parteiobmann der FPÖ, also HC Strache kennen lernen und ihn sowie Gudenus auf ein gemütliches Abendessen in einer Villa auf Ibiza einladen. Was danach folgte, war wohl beiden nicht sofort bewusst, bis Strache auf die Füße der aufreizenden und angeblich sehr attraktiven Dame hinabblickte.

Vor dem eigentlichen Gespräch, war Strache sichtlich hingerissen von der attraktiven Oligarchennichte


Dreckige Fußnägel
Es ging um Parteienförderung im Austausch zu staatlichen Aufträgen. HC Strache ließ sich auf Anraten von Johann Gudenus dazu bewegen, an diesem Treffen teilzunehmen, was sich später als der größte Fehler des Parteivorsitzenden herausstellen sollte. Zwei Jahre später wird man erfahren, dass der Reformversuch für Österreich kläglich gescheitert ist.
„Knapp vorbei ist auch daneben“ Als Strache die schmutzigen Ränder an den Fußnägeln der angeblich reichen Russin entdeckte, wurde er bereits stutzig, und wollte das Gespräch erst gar nicht beginnen.
Johann Gudenus besänftigte seinen politischen Ziehvater, wodurch der Stein erst recht ins Rollen kam. In den sechs bis sieben Stunden dauernden „Verhandlungen“ flossen jede Menge Alkohol.
Die Hemmschwelle sank und der kommenden Vernichtung der eigenen Partei, eine Partei welche Strache über 14 Jahre lang aufgebaut hat, stand nichts mehr im Wege.

Zwei Jahre später!
Kurz´ÖVP und Strache´s FPÖ werken bereits seit 1,5 Jahren an einer wahnsinnig tollen Reform Österreichs. Diese Regierung wollte echt was weiterbringen, für alle Bürgerinnen und Bürger, für das Land und für eine tolle Zukunft unserer Heimat. Es gab eine große Zustimmung über die Breite der BürgerInnen hinweg. Niemand dachte daran, dass der 18. Mai 2019 der schwärzeste Tag für Österreich werden sollte. Viele Menschen glaubten fest daran, dass diese Regierung mit ihrem neuen Stil, locker eine zweite Legislaturperiode durchhält. Doch dazu sollte es nun nicht mehr kommen.

Bereits am 16. Mai wurde Sebastian Kurz ein Video zugespielt, welches die politische Landschaft Österreichs 2 Tage später total umkrempeln wird. Es war ein illegaler Mitschnitt des Gespräches mit der angeblichen reichen Nichte eines angeblichen Oligarchen, eine eingeschleuste Schauspielerin zu der Strache nach der „bsoffenen G´schicht“ keinen Kontakt mehr hatte.

Wer waren die Hintermänner, wer schleuderte den Dreck gegen die Regierung?
Das Video wurde in Manier eines schlechten Kriminalfilms der österreichischen SZ Journalisting Leila Al-Serori sowie Bastian Obermayer zugespielt.
Weiter Empfänger waren zumindest das Magazin Spiegel und Florian Klenk vom Falter. Video
Die Journalisten mussten an einem weit entfernten Ort an einer Tankstelle warten, Schließlich wurde das Filmmaterial laut der Tiroler Tageszeitung in einem verlassenen Hotel übergeben.
Die Aufarbeitung und Prüfung war sehr schwierig, weshalb auch ein Forensiker beteiligt war, schließlich musste es laut Obermayer „..nun wahnsinnig schnell gehen“.

Wer übergab das Video?
Alle Indizien deuten darauf hin, dass Jan Böhmermann in diese Kampagne ala Silberstein verwickelt ist, denn dieser hat laut Focus.de das Video schon seit Wochen gekannt. Dies bestätigt sein Manager Peter Burtz der dpa.
Bereits bei der Romy Verleihung vor einem Monat, also lange vor dem Bekanntwerden, sagte Böhmermann die Preisverleihung mit den Worten

„Ich kann leider nicht kommen, weil ich gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge.“ ab.

Es gab derer aber noch weitere „Ankündigungen“
Im ORF Kulturmontag vor zwei Wochen beleidigte Böhmermann nicht nur die österreichische Bevölkerung, er sagte zum Interviewpartner (welche bei dessen Aussagen gerne grinste), auch folgendes:

„Sie lachen aber warum eigentlich, sie sind doch beim ORF beschäftigt, gibts da noch was zu lachen? Ich höre da andere Sachen“
Im Ibiza Video sagt Strache: „…wenn du darüber hinaus einen TV Sender noch lukrierst, bestimmst du alles“

Und nun das Indiz warum Böhmermann die Schuld an der Auflösung der Regierung haben könnte!
Böhmermann: „Man muss die Menschen die sich anmassen, zu glauben über Österreich bestimmen zu können, nur weil sie gewählt wurden, auf ein umgängliches Niveau runterholen…wieder zurück auf Augenhöhe“

Einen Tag vor der Veröffentlichung des Videos meinte Böhmermann „Morgen wird Österreich brennen“

Nach all den Fehlgriffen Böhmermann´s weiß man nun, warum das Interview in einem Darkroom stattfand:

Der Darkromm des ORF

Was Experten meinen

Laut der österreichischen Zeitung „Die Presse“ könne es sich um das Werk eines westlichen Geheimdienstes handeln. Dagegen sagte ein Verfassungsschützer zu BamS: „Es ist durchaus denkbar, dass hinter dem Strache-Video linke Kreise stecken.

Anke Reisch vom Deutsch-Österreichischen Juristenverein: „Illegales Handeln im Sinne eines Verstoßes gegen das Strafgesetzbuch ist zu verneinen.

Warum Neuwahlen?
Sebastian Kurz hatte es nicht leicht, das muss man ihm lassen. 48 Stunden vor der Koalitionsauflösung wusste er bereits über alles Bescheid. Strache bot ihm den Rücktritt an, wenn doch die Regierung weiterarbeiten könne, denn sie sei gut für Österreich. Kurz nahm an, hatte jedoch bereits seine Schritte gedanklich gesetzt und ließ den FPÖ Frontmann direkt auflaufen.

Die Regierung Kurz, Strache und ihre MinisterInnen opferten sich auf, um Österreich in eine bessere Zukunft zu führen.

13 Menschen die in einer neuen Form und gegenseitigem Respekt das Land verändern wollten. Niemand außer einer, versagte vor zwei Jahren. Der Rest der FPÖ MinisterInnen hätte gerne weiter gearbeitet und der Bevölkerung ihren Dienst erwiesen. Immerhin gab es eine 80% Zustimmung für diese Regierung! Immerhin hat Strache nach seinem Rücktritt den sympathischen und unbescholtenen Norbert Hofer als Nachfolger nominiert.

Für Sebastian Kurz gab es nur zwei Optionen:

  • Mit dem neuen FPÖ Parteiobmann diese Legislaturperiode fortführen – trotz des Drucks seiner Landeshauptleute (wo die Hartgesotteten sowieso immer gegen eine FPÖ Regierungsbeteiligung waren), sowie des Drucks der Linken und der Medien. Obgleich der Wunsch nach Vollendung aller Reformen immer präsent war.
  • Oder eine Neuwahl um sich dem Druck zu ergeben, und selbst in eine ungewisse Zukunft zu starten.

Was kann bei den Neuwahlen passieren?
Man kann sagen, dass die Neuwahlen im kommenden September dieses mal wirklich alles bieten.
OVP
Der Linke Flügel wird bestehen bleiben, jedoch kann es passieren, dass all jene welche 2017 zur ÖVP wechselten, nun die FPÖ wählen um die Reformen weiter zu verfolgen. All jene, welche die Regierungsauflösung verurteilen, könnten Kurz wieder den Rücken kehren. Das Problem der ÖVP ist, dass sie es nicht wagen wird und auch nicht will, mit der SPÖ wiederum eine Blockade -und Streitkoalition zu bilden, beinahe die Hälfte ihrer Wähler von 2017 will das ebenso wenig. Mit der FPÖ wäre ein Neuanfang völlig daneben, Da hätte es keiner Regierungsauflösung bedurft.

FPÖ
Die FPÖ ist nun in einer Selbstfindungsphase. Es ist wohl klar, dass weder die SPÖ noch die ÖVP in den nächsten 15-20 Jahren eine Koalition mit der FPÖ eingehen wird. Die FPÖ wird in diesem Zeitraum in der Opposition verharren. Sie müssen daran arbeiten, eine glaubwürdige Partei der Mitte zu schaffen, und mit allen Extremisten soweit sie bekannt sind, aufzuräumen. Fehler wie in Ibiza dürfen einfach nicht passieren.
Die einzige jedoch unglaubwürdige Chance besteht, wenn die Freiheitlichen eine absolute Mehrheit erlangen.

SPÖ
Diese Partei rechnet sich Chancen aus, welche es höchstwahrscheinlich niemals geben wird.
Die Hälfte der ÖVP Wähler könnte abspringen, eine Mehrheit wäre somit undenkbar, weiters sind ÖVP und SPÖ so sehr zerstritten und die Bevölkerung will sich so eine Koalition für lange Zeit nicht mehr vorstellen. Die SPÖ selbst könnte nun aufgrund der Veröffentlichung des Ibiza Videos, viele Wähler verlieren. Denn schuldig können nur Linke sein, und viele wollen mit diesen Machenschaften nichts mehr zu tun haben. Die SPÖ ist in der Rolle, immer das erste Ziel zu sein.

Die einzigen die wirklich gewinnen könnten, sind die NEOS
Liste Jetzt wird womöglich aus dem Parlament fliegen.
Obs die Grünen schaffen steht auf der Waage.
Maybe kommen neue Parteien, diese sollten aber schon heute beginnen, richtig Gas zu geben und die alten Rechtswähler überzeugen.
Faktisch gesehen, haben die FPÖ Wähler nun keine vertretende Partei für ihre Wünsche auf die nächsten 15 Jahre.

Die Geschäftsgebarden welche nun öffentlich wurden, betreffen leider alle Parteien. Nur eine hat es nun erwischt!

Ganz neutral betrachtet von Dr. Sakrasmus – Blue Austria

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