40 € mehr Steuer für Feiertag, dafür 8 Cent billigere Butter.

Feiertagsentgelt 2025 still und heimlich nachversteuert

Feiertagsentgelt 2025 still und heimlich nachversteuert

Mit Wirkung 1. Jänner 2025 ist die bisherige Steuerfreiheit des Feiertagsarbeitsentgelts aufgrund einer gesetzlichen Klarstellung entfallen. Die Änderung wirkt sich rückwirkend auf die Lohnabrechnung aus, da die entsprechenden Entgeltbestandteile nunmehr als steuerpflichtig gelten.

So nüchtern, so technokratisch, so kalt liest sich ein Satz aus einem Brief, der dieser Tage bei ehemaligen Arbeitnehmern einlangt. Kein politisches Pamphlet, kein Kommentar – sondern die formale Begründung dafür, warum Menschen ein Jahr später Geld zurückzahlen sollen, das sie längst verdient, versteuert geglaubt und ausgegeben haben.

Einer von ihnen ist Herr P.
Er verließ Anfang Februar 2025 das Unternehmen. Ein normaler Jobwechsel. Kein Streit, kein Sonderfall. Und jetzt, ein Jahr später, flattert die Forderung ins Haus: 81 Euro Nachzahlung – allein für den Jänner. Für Feiertagsarbeit. Für Dienste, die andere nicht leisten wollten oder konnten.

81 Euro mögen auf dem Papier harmlos wirken. In der Realität erzählen sie eine andere Geschichte. Herr P. arbeitete in einer Branche mit 12-Stunden-Diensten. Im Jänner gibt es zwei Feiertage. Rechnet man diese Nachzahlung realistisch hoch, landet man bei rund 40 Euro Steuer pro Feiertag. Hochgerechnet auf ein Jahr bedeutet das: über 500 Euro zusätzliche Steuerlast – nur dafür, dass jemand an gesetzlichen Feiertagen gearbeitet hat.

Und während diese Mehrbelastung still, rückwirkend und ohne große öffentliche Debatte eingeführt wird, präsentiert dieselbe Regierung ihre große soziale Geste: die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 5 Prozent. Klingt gut. Klingt menschlich. Klingt nach Entlastung.

Die Realität?
Der Kunde spart sich etwa 7 Euro im Monat. Sieben.
Im Jahr sind das rund 84 Euro.

Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, was hier passiert. Der Staat nimmt jenen, die an Feiertagen arbeiten, mehrere Hundert Euro, und gibt ihnen – wenn sie einkaufen – ein paar Euro Kleingeld zurück. Politisch verkauft als große Entlastung. Tatsächlich ein Rechenkunststück auf dem Rücken jener, die dieses Land auch dann am Laufen halten, wenn der Kalender rot ist.

Besonders pikant ist die Art und Weise. Keine Information im Vorfeld. Keine Transparenz. Keine offene Kommunikation. Stattdessen Briefe, Monate oder Jahre später, mit dem Hinweis auf eine „gesetzliche Klarstellung“. Klarstellung wovon? Dass Arbeit an Feiertagen plötzlich weniger wert ist? Dass Rückforderungen normal seien? Dass man bitte Verständnis haben möge?

Herr P. konnte nicht einmal „aufgerollt“ werden wie aktive Mitarbeiter. Er war weg. Also kam die Rechnung per Post. Nüchtern formuliert, rechtlich sauber – menschlich unerquicklich.

Und dann soll man dankbar sein. Dankbar für eine Mehrwertsteuersenkung, die im Alltag kaum spürbar ist. Dankbar für 7 Euro im Monat, während man an anderer Stelle das Zehnfache verliert. Dankbar für politische PR, die von Entlastung spricht, während sie in Wahrheit Mehreinnahmen generiert – ausgerechnet bei jenen, die Feiertage nicht feiern, sondern durcharbeiten.

Also ja: Danke, liebe Regierung.
Danke für rückwirkende Belastungen.
Danke für still kassierte Feiertage.
Danke für symbolische Entlastung bei realer Mehrbesteuerung.

Und vor allem: Danke dafür, dass Menschen wie Herr P. nun schwarz auf weiß wissen, was ihre Arbeit an Feiertagen diesem Staat wert ist.

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