Der Fall Dengler – einmal anders betrachtet

Die Geschichte rund um den ehemaligen NEOS-Mitgründer Veit Dengler wird derzeit vor allem als Drama um den Parteiausschluss erzählt. Man könnte sie aber auch ganz anders betrachten.
Dengler hielt im Nationalrat eine Rede, in der er eine stärkere Kürzung der Parteienförderung forderte. Pikant daran: Genau diese Forderung findet sich bis heute auf der offiziellen Website der NEOS. Mit anderen Worten: Er sprach über ein Ziel, das seine eigene Partei selbst jahrelang propagiert hat.
Kurz darauf war er draußen.
Offiziell wegen eines Vertrauensbruchs in einer Klubsitzung. Dengler selbst sieht darin lediglich einen Vorwand.
Und dann begann die eigentliche Show.
Ein ellenlanges Statement auf X. Interviews. Talkshows. Zeitungsinterviews. Kaum ein Medium, das Dengler nicht erklärte, wie autoritär die Partei sei, wie Abgeordnete zu „Stimmvieh“ degradiert würden und wie weit sich die NEOS von ihren ursprünglichen Idealen entfernt hätten.
Da stellt sich allerdings eine ganz einfache Frage:
Warum erst jetzt?
Wenn die Partei tatsächlich so autoritär war…
Wenn dort tatsächlich Klubzwang herrschte…
Wenn kritische Stimmen tatsächlich unterdrückt wurden…
Warum blieb Dengler jahrelang Mitglied?
Warum kandidierte er erneut für den Nationalrat?
Warum verließ er die Partei nicht aus eigenem Antrieb?
Oder anders gefragt:
Warum musste erst die Partei den Stecker ziehen?
Man hätte auch ein ganz anderes Statement erwarten können:
„Die NEOS haben mich ausgeschlossen. Ehrlich gesagt bin ich erleichtert. Unter diesen Umständen wollte ich ohnehin nicht länger Teil dieser Partei sein.“
Kurz. Klar. Konsequenz.
Stattdessen folgte eine mediale Rundreise durch Österreich, bei der kaum eine Gelegenheit ausgelassen wurde, mit der ehemaligen Partei abzurechnen.
Natürlich kann man sagen, der Ausschluss habe Dengler erst dazu bewegt, offen zu sprechen.
Man kann sich aber ebenso fragen:
Wäre all diese Kritik jemals öffentlich geworden, wenn ihn die Partei nicht hinausgeworfen hätte?
Und dann bleibt noch eine letzte, fast schon unangenehme Frage.
Wenn all diese Missstände angeblich seit Jahren bekannt waren…
Warum ging er nicht schon früher?
Ach ja…
…da war doch noch das nicht ganz unattraktive Abgeordnetengehalt.
Natürlich kann niemand mit Sicherheit sagen, ob das eine Rolle spielte.
Die Frage drängt sich trotzdem auf.
Denn wer jahrelang in einer Partei bleibt, die er heute als autoritär beschreibt, und erst nach dem Rauswurf öffentlich mit ihr abrechnet, muss sich gefallen lassen, dass auch sein eigenes Verhalten hinterfragt wird.
Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen:
Eh klar. Die NEOS wieder.
Nur dieses Mal scheint nicht jeder genau zu wissen, wer in dieser Geschichte eigentlich die Hauptrolle spielt.
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