26 Täter, 200 betroffene Kinder!

„Ein Supermarkt für Täter“ – Frankreich erschüttert von jahrzehntelangem Missbrauch in katholischer Internatsschule

„Ein Supermarkt für Täter“ – Frankreich erschüttert von jahrzehntelangem Missbrauch in katholischer Internatsschule

Wie konnte all das geschehen – und niemand griff ein?
Ein Eliteinternat im Südwesten Frankreichs wurde über Jahrzehnte zum Tatort systematischen Missbrauchs. Jetzt treten hunderte Opfer aus dem Schatten. Der Staat, die Kirche – und sogar der Premierminister stehen unter Druck. Eine Nation ringt mit der Frage: Wie viele Kinder hätten gerettet werden können?


Die Vorgeschichte: Jahrzehnte des Schweigens

Die katholische Internatsschule „Notre-Dame de Bétharram“, heute „Le Beau Rameau“, galt einst als Ort geistlicher Erziehung. Doch hinter den Mauern spielten sich über Jahrzehnte hinweg Verbrechen ab, die heute Frankreich erschüttern.

Viele der heute bekannten Fälle stammen aus der Zeit zwischen den 1950er und frühen 2000er Jahren – ein halbes Jahrhundert, in dem Kinder Opfer von Missbrauch, Gewalt und systematischer Einschüchterung wurden. Die Täter: Priester, Erzieher und Ordensbrüder.


Ein Erdbeben für Frankreich: Kommission ruft Opfer zur Aussage auf

Im Juni 2025 rief eine unabhängige kirchliche Kommission mögliche Opfer zur Aussage auf. Die bisher bekannten Zahlen zeigen das Ausmaß des Skandals:

  • Über 200 Betroffene
  • 26 mutmaßliche Täter
  • 700.000 Euro Entschädigung bereits gezahlt

Ein Mitglied der Kommission sprach offen aus, was viele empfinden:

„Diese Schule war ein Supermarkt für sexuelle Räuber.“
(Quelle: stern)

Ein anderer Betroffener erklärte:

„Wir Kinder waren keine Schüler. Wir waren Beute.“
(Quelle: stern)


Ein Premierminister unter Verdacht – hat François Bayrou geschwiegen?

Brisant: Der heutige Premierminister François Bayrou war Bildungsminister, als erste Hinweise auf Gewalt in Bétharram vorlagen – und Vater von drei Kindern, die dort zur Schule gingen.

Ein Bericht des Parlaments wirft ihm vor, bereits in den 1990er Jahren von Missständen erfahren zu haben – aber nicht eingegriffen zu haben. Seine Aussagen vor der Kommission sollen laut dem Bericht „widersprüchlich“ und „nicht glaubwürdig“ gewesen sein.

Eine Tochter Bayrous soll selbst Opfer von Gewalt geworden sein. Der Premier beteuert:

„Ich habe davon nichts gewusst – ich habe es aus der Zeitung erfahren.“
(Quelle: stern)

Die Kommission reagiert mit scharfer Kritik:

„Wir reden hier nicht von Versäumnissen. Wir reden von Verantwortung.“
(Quelle: stern)


Ein System ohne Kontrolle – und ohne Mitleid

Was sich in Bétharram über Jahrzehnte zutrug, sei kein Einzelfall, so die Kommission. Vielmehr sei es Teil eines strukturellen Versagens: Autorität wurde nicht hinterfragt, Leid wurde ignoriert – und Täter geschützt.

Die Schule war „ein System aus Disziplin, Angst und Schweigen“, heißt es im Abschlussbericht. Priester schlugen, erniedrigten, missbrauchten – und niemand schaute hin.


Forderungen der Kommission:

  • Abschaffung der Verjährung bei Missbrauchsfällen
  • Schaffung eines nationalen Entschädigungsfonds
  • Unabhängige Kontrollen auch in kirchlichen Privatschulen
  • Verpflichtende Schulungen zu Kinderschutz für alle Lehrpersonen

Fassungslosigkeit und Wut – Was bleibt?

Frankreich blickt auf ein düsteres Kapitel seiner Schul- und Kirchengeschichte. Die große Frage bleibt: Wer trägt die Verantwortung? Und warum hat niemand rechtzeitig eingegriffen?

Der Mut der Betroffenen ist es, der nun Bewegung bringt – nach Jahrzehnten des Schweigens. Und doch bleibt das bedrückende Gefühl:

Wie viele hätten verschont bleiben können – wenn nur einer hingesehen hätte?

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