Terror aus Österreich finanziert

Gaza Now: Hamas-Propaganda aus Linz – mitten in Österreich

Gaza Now: Hamas-Propaganda aus Linz – mitten in Österreich

Mehr als 1,3 Millionen Menschen folgen dem arabischen Kanal. Gefeiert werden Hamas-Kämpfer, Terroristen werden zu „Helden“ stilisiert – und hinter dem Netzwerk steht ein Mann, der von den USA und Großbritannien sanktioniert wurde.

Linz. Wienerstraße 20.

Eine unscheinbare Adresse in Österreich steht im Mittelpunkt eines internationalen Falls, der weit über die Grenzen Österreichs hinausreicht.

Von hier aus wurde „Gaza Now“ betrieben – ein arabischsprachiges Mediennetzwerk, dessen Telegram-Kanal inzwischen mehr als 1,3 Millionen Follower erreicht. Dazu kommen weitere arabische und ein englischsprachiger Kanal mit knapp 200.000 Followern. Die österreichische Dokumentationsstelle Politischer Islam bezeichnet Gaza Now ausdrücklich als Propagandamedium.

Und der Blick in das veröffentlichte Material ist bemerkenswert.

Aus Terroristen werden „Helden“

Gaza Now verbreitete unter anderem Aufnahmen der Al-Qassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, sowie Material weiterer islamistischer Gruppierungen. Die DPI spricht von einer Heroisierung der Kämpfer.

Auch Yahya Sinwar, einer der führenden Köpfe der Hamas und maßgeblich mit dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 verbunden, wurde auf dem Kanal entsprechend glorifiziert. In einem Beitrag wurde er nach seinem Tod als „Weltlegende“ und als Held dargestellt, der sein Land und sein Volk bis zum letzten Atemzug verteidigt habe.

Für Israel bedeutet der 7. Oktober nicht irgendein politisches Ereignis.

Es war der Tag, an dem Hamas-Terroristen Israel überfielen, Menschen ermordeten und Geiseln nach Gaza verschleppten. Genau diese Terrororganisation wird in solchen Propagandanarrativen jedoch nicht als Terrororganisation dargestellt, sondern als angebliche „Widerstandsbewegung“.

Damit wird aus Opfern und Tätern eine verdrehte Geschichte.

Der Mann hinter Gaza Now

Im Zentrum steht Mustafa Ayash.

Das US-Finanzministerium führt ihn seit März 2024 auf seiner Sanktionsliste. Als Adresse ist dort tatsächlich Wienerstraße 20, 4020 Linz eingetragen. OFAC bezeichnet Ayash als mit Gaza Now verbunden und verhängte Sanktionen gegen ihn und das Netzwerk.

Noch schwerwiegender ist der Vorwurf der amerikanischen Behörden:

Nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 habe Gaza Now Spendenkampagnen zur Unterstützung der Hamas organisiert. Das US-Finanzministerium bezeichnete Ayash und Gaza Now als Teil eines Hamas-nahen Fundraising-Netzwerks.

Auch Großbritannien reagierte.

Das britische Finanzministerium verhängte gegen Ayash einen vollständigen Vermögensstopp und erklärte, Gaza Now sei ein Mediennetzwerk, das Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad unterstütze bzw. deren Terrorismus fördere.

Fast 4,5 Millionen Dollar in Kryptowährungen

Besonders interessant wird die Geschichte beim Geld.

Auf von den US-amerikanischen und britischen Behörden erfassten Kryptowährungsadressen von Gaza Now flossen laut der Blockchain-Analysefirma Chainalysis fast 4,5 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen. Die Adressen waren Teil der internationalen Sanktionsmaßnahmen gegen das Netzwerk.

Das zeigt eine Entwicklung, die für Terrororganisationen zunehmend wichtig geworden ist:

Propaganda und Finanzierung können heute unmittelbar miteinander verbunden werden.

Ein Social-Media-Kanal kann gleichzeitig Nachrichten verbreiten, Sympathisanten mobilisieren und Spenden einsammeln.

Vom Bildschirm nach Österreich

Im September 2025 wurde Ayash am Flughafen Amsterdam-Schiphol festgenommen. Die Niederlande genehmigten später seine Auslieferung nach Österreich.

Mittlerweile ist daraus ein österreichisches Strafverfahren geworden.

Die Linzer Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben. Die Vorwürfe umfassen unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche und Aufforderung zu terroristischen Straftaten. Die Anklage ist allerdings noch nicht rechtskräftig; Ayash weist die Vorwürfe zurück.

Das ist ein entscheidender Punkt:

Die Sanktionen der USA und Großbritanniens sind bereits Tatsache. Die strafrechtliche Schuld Ayashs muss dagegen von einem österreichischen Gericht festgestellt werden.

Das eigentlich Erschreckende liegt woanders

Der Fall zeigt etwas, das in der Debatte über den Nahostkonflikt leicht übersehen wird.

Hamas-Propaganda entsteht nicht ausschließlich irgendwo weit entfernt im Nahen Osten.

Sie kann in Europa produziert, verbreitet und finanziert werden – mit einer Reichweite von Millionen Menschen.

Die Dokumentationsstelle Politischer Islam warnt deshalb vor einer zunehmenden Professionalisierung solcher Netzwerke. Sie beschreibt Europa als Raum, in dem islamistische Akteure unter anderem Propaganda, Fundraising und Mobilisierung betreiben. Gaza Now ist für die DPI ein konkretes österreichisches Beispiel dafür.

Und genau deshalb ist der Fall Gaza Now mehr als eine Geschichte über einen Telegram-Kanal.

Es geht um die Frage, wie weit Terrorpropaganda in Europa reichen kann – und wie leicht aus einem vermeintlichen „Medienangebot“ ein Instrument für politische Radikalisierung und möglicherweise Terrorfinanzierung werden kann.

Linz ist dabei nicht irgendwo.

Linz ist in diesem Fall der Ort, an dem ein internationales Netzwerk einen österreichischen Ausgangspunkt hatte.

Mehr als eine Million Menschen sehen seine Inhalte.
US- und britische Behörden haben das Netzwerk sanktioniert.
Millionen Dollar flossen über Kryptowährungen.
Und nun beschäftigt der Fall die österreichische Justiz.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur:

Was passiert in Gaza?

Sondern auch:

Was passiert eigentlich bei uns?

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